Bundesliga

Henke und Ingolstadt: “Druck liegt jetzt noch mehr beim Gegner” :: DFB


Als langjähriger Assistent von Ottmar Hitzfeld sammelte Michael Henke zahlreiche Titel. Als Sportdirektor des aktuellen Drittligisten FC Ingolstadt 04 hofft der 63 Jahre alte Fußball-Lehrer auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Am Samstag (ab 18.15 Uhr, live im ZDF, bei DAZN und Amazon Prime Video) trifft der FCI im Rückspiel der Relegation auf den 1. FC Nürnberg. Im DFB.de-Interview spricht Henke mit Mitarbeiter Ralf Debat über die Chancen.

DFB.de: Im Rückspiel der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg muss der FC Ingolstadt 04 einen 0:2-Rückstand aufholen. Ist das eine machbare Aufgabe, Herr Henke?

Michael Henke: Auch wenn es eine Floskel ist: Im Fußball ist grundsätzlich immer alles möglich. Dennoch müssen wir auch so ehrlich sein, um zuzugeben, dass sich unsere Chancen nach dem Hinspiel auf ein Minimum reduziert haben. Wir sind auf eine sehr starke Nürnberger Mannschaft getroffen, die es an diesem Tag eher noch versäumt hat, höher zu gewinnen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass sich der FCN diesen Vorsprung noch aus der Hand nehmen lässt.

DFB.de: Was stimmt Sie dennoch zuversichtlich, dass der FCI die positive Bilanz der Drittligisten in der Relegation weiter ausbauen kann?

Henke: Wir haben das Hinspiel mit der Mannschaft ausführlich analysiert. Es war dabei keineswegs so, dass wir ausschließlich an der guten Form der Nürnberger gescheitert sind. Vielmehr haben wir auch zahlreiche leichte Fehler gemacht und so erst die Gegentreffer selbst begünstigt. Wenn wir uns in dieser Hinsicht wieder steigern und uns auf unsere stabile Defensive verlassen können, dann wäre das schon mal der erste Schritt, um die Nürnberger wesentlich stärker in Verlegenheit zu bringen. Dass unsere Mannschaft in Partien mit Endspielcharakter ihre Leistung abrufen kann, hat sie im Endspurt der 3. Liga gezeigt.

DFB.de: Musste das Team nach dem Hinspiel zunächst einmal aufgebaut werden?

Henke: Das Ergebnis, vor allem aber auch der Spielverlauf hatten definitiv Spuren hinterlassen. Im ersten Moment waren wir alle niedergeschlagen und tief enttäuscht. Man muss ehrlich sagen: Auf dem Papier erscheint die Ausgangsposition nahezu aussichtslos. Auf der anderen Seite liegt der Druck jetzt noch mehr beim Gegner als ohnehin schon.

DFB.de: Der FCI war das auswärtsstärkste Team der 3. Liga und zuletzt in einer sehr guten Verfassung. Haben Sie schon eine Erklärung, warum die Mannschaft das in Nürnberg nicht auf den Platz bringen konnte?

Henke: Gerade die Defensive war in den vergangenen Wochen nach dem Corona-Break unsere Stärke. Die dafür notwendige Kompaktheit war in Nürnberg nicht vorhanden. Dadurch haben wir es dem Gegner – wie gesagt – zu leicht gemacht. Außerdem hatten wir uns fest vorgenommen, zumindest ein Auswärtstor zu erzielen, waren an diesem Tag aber nicht in der Lage, uns hochkarätige Torchancen zu erarbeiten. Dass wir nach dem anstrengenden Saisonfinale in der 3. Liga im Gegensatz zum “Club” nur zwei Tage zur Vorbereitung hatten, will ich nicht als Entschuldigung anführen, zumal ich immer ein klarer Verfechter der Saisonfortsetzung nach der Corona-Pause war und dabei auch wusste, dass es für den einen oder anderen Klub vermeintliche Ungerechtigkeiten geben würde. Dennoch bin ich der Meinung, dass es sicher möglich war, zumindest einen Tag später zu spielen. Das hätte uns vielleicht schon geholfen. Wir nehmen die Situation aber jetzt so an, wie sie ist.

DFB.de: Sie haben im Fußball bis hin zu Meistertiteln und Triumphen in der Champions League mit dem BVB und dem FC Bayern München schon alles erlebt. Macht die besondere Anspannung in der Relegation mit Ihnen dennoch etwas?

Henke: Auf jeden Fall. Klar, solche Situationen sind für mich nicht neu. Von daher kann ich damit umgehen. Wenn deshalb aber vor so wichtigen Spielen die Anspannung und das Kribbeln nicht mehr spüren würde, dann wäre ich fehl am Platz.

DFB.de: Gefühlt waren Sie seit 2013 in Ingolstadt schon in fast allen möglichen Funktionen tätig, unter anderem als Co-Trainer, Interimstrainer und jetzt als Sportdirektor. Wie sehr ist Ihnen der Klub in dieser Zeit ans Herz gewachsen?

Henke: Ich bin damals eher zufällig nach Ingolstadt gekommen, habe seitdem den Verein, die Region und vor allem die Menschen im Klub und im Umfeld schätzen gelernt. Da ist definitiv eine besondere Verbindung entstanden. Momente wie beispielsweise der Aufstieg in die Bundesliga, bei dem schon viele Menschen dabei waren, die auch jetzt noch im Verein tätig sind, werden unvergessen bleiben. Von daher steckt für mich noch mehr Herzblut drin.

DFB.de: Vor einem Jahr gewann der FCI als damaliger Zweitligist in der Relegation das Hinspiel beim SV Wehen Wiesbaden 2:1, stieg aber nach einer 2:3-Heimniederlage noch ab. Helfen Ihnen diese Erfahrungen?

Henke: Es ist durchaus eine vergleichbare Situation. Wir hatten damals im Hinspiel ebenfalls einen höheren Sieg verpasst, waren dennoch in einer sehr komfortablen Ausgangslage. Da hat man dann fast automatisch die Sorge, zum Deppen der Nation zu werden, wenn man diese große Chance noch aus der Hand gibt. Diese Gedanken werden sich vor dem Rückspiel wohl auch die Nürnberger machen.

DFB.de: Wegen der Europapokalarithmetik müsste der FC Ingolstadt 04 schon bei einem Gegentor im Rückspiel mindestens vier Treffer erzielten, um noch die Wende zu schaffen. Wie wird vor diesem Hintergrund die Ausrichtung aussehen?

Henke: In den letzten acht Saisonspielen der 3. Liga haben wir siebenmal zu Null gespielt. Dabei hat die Mannschaft keineswegs Beton angerührt, sondern vielmehr eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive gefunden. Das muss auch diesmal das Rezept sein. Ich bin sicher, dass auf unsere Abwehr Verlass sein wird.

DFB.de: Was würde die Rückkehr in die 2. Bundesliga für den Verein bedeuten?

Henke: Von seinen Voraussetzungen, seinen Möglichkeiten und seiner Infrastruktur ist der FC Ingolstadt 04 ganz klar ein Zweitligaverein. Der Klub wird da auch wieder hinkommen. Davon bin ich überzeugt. Wenn nicht sofort, dann in den nächsten Jahren.

DFB.de: Sie müssen schon seit einiger Zeit zweigleisig planen. Liegen für beide Fälle die fertigen Konzepte in der Schublade?

Henke: Unsere Konzepte für die 2. Bundesliga und die 3. Liga werden sich diesmal gar nicht so großartig unterscheiden. Schließlich hatten wir bereits vor einem Jahr nach dem Abstieg einen großen Umbruch im Kader vorgenommen und uns auf die Fahnen geschrieben, noch stärker auf junge Spieler zu setzen. Diesen Weg werden wir so oder so weitergehen. Auch das Trainerteam um Tomas Oral wird uns unabhängig vom Ausgang des Rückspiels erhalten bleiben. Vor einem Jahr hatten wir uns zum Ziel gesetzt, innerhalb von zwei Jahren in Sachen Zweitligarückkehr angreifen zu können. Dass wir jetzt schon die Chance auf den Aufstieg haben, ist nicht selbstverständlich und spricht für das Team. Sollten wir auch in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen, wird das alles andere als ein Selbstläufer, aber wir werden einen weiteren Anlauf auf den Aufstieg unternehmen.



[mspw]

Als langjähriger Assistent von Ottmar Hitzfeld sammelte Michael Henke zahlreiche Titel. Als Sportdirektor des aktuellen Drittligisten FC Ingolstadt 04 hofft der 63 Jahre alte Fußball-Lehrer auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Am Samstag (ab 18.15 Uhr, live im ZDF, bei DAZN und Amazon Prime Video) trifft der FCI im Rückspiel der Relegation auf den 1. FC Nürnberg. Im DFB.de-Interview spricht Henke mit Mitarbeiter Ralf Debat über die Chancen.

DFB.de: Im Rückspiel der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg muss der FC Ingolstadt 04 einen 0:2-Rückstand aufholen. Ist das eine machbare Aufgabe, Herr Henke?

Michael Henke: Auch wenn es eine Floskel ist: Im Fußball ist grundsätzlich immer alles möglich. Dennoch müssen wir auch so ehrlich sein, um zuzugeben, dass sich unsere Chancen nach dem Hinspiel auf ein Minimum reduziert haben. Wir sind auf eine sehr starke Nürnberger Mannschaft getroffen, die es an diesem Tag eher noch versäumt hat, höher zu gewinnen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass sich der FCN diesen Vorsprung noch aus der Hand nehmen lässt.

DFB.de: Was stimmt Sie dennoch zuversichtlich, dass der FCI die positive Bilanz der Drittligisten in der Relegation weiter ausbauen kann?

Henke: Wir haben das Hinspiel mit der Mannschaft ausführlich analysiert. Es war dabei keineswegs so, dass wir ausschließlich an der guten Form der Nürnberger gescheitert sind. Vielmehr haben wir auch zahlreiche leichte Fehler gemacht und so erst die Gegentreffer selbst begünstigt. Wenn wir uns in dieser Hinsicht wieder steigern und uns auf unsere stabile Defensive verlassen können, dann wäre das schon mal der erste Schritt, um die Nürnberger wesentlich stärker in Verlegenheit zu bringen. Dass unsere Mannschaft in Partien mit Endspielcharakter ihre Leistung abrufen kann, hat sie im Endspurt der 3. Liga gezeigt.

DFB.de: Musste das Team nach dem Hinspiel zunächst einmal aufgebaut werden?

Henke: Das Ergebnis, vor allem aber auch der Spielverlauf hatten definitiv Spuren hinterlassen. Im ersten Moment waren wir alle niedergeschlagen und tief enttäuscht. Man muss ehrlich sagen: Auf dem Papier erscheint die Ausgangsposition nahezu aussichtslos. Auf der anderen Seite liegt der Druck jetzt noch mehr beim Gegner als ohnehin schon.

DFB.de: Der FCI war das auswärtsstärkste Team der 3. Liga und zuletzt in einer sehr guten Verfassung. Haben Sie schon eine Erklärung, warum die Mannschaft das in Nürnberg nicht auf den Platz bringen konnte?

Henke: Gerade die Defensive war in den vergangenen Wochen nach dem Corona-Break unsere Stärke. Die dafür notwendige Kompaktheit war in Nürnberg nicht vorhanden. Dadurch haben wir es dem Gegner – wie gesagt – zu leicht gemacht. Außerdem hatten wir uns fest vorgenommen, zumindest ein Auswärtstor zu erzielen, waren an diesem Tag aber nicht in der Lage, uns hochkarätige Torchancen zu erarbeiten. Dass wir nach dem anstrengenden Saisonfinale in der 3. Liga im Gegensatz zum “Club” nur zwei Tage zur Vorbereitung hatten, will ich nicht als Entschuldigung anführen, zumal ich immer ein klarer Verfechter der Saisonfortsetzung nach der Corona-Pause war und dabei auch wusste, dass es für den einen oder anderen Klub vermeintliche Ungerechtigkeiten geben würde. Dennoch bin ich der Meinung, dass es sicher möglich war, zumindest einen Tag später zu spielen. Das hätte uns vielleicht schon geholfen. Wir nehmen die Situation aber jetzt so an, wie sie ist.

DFB.de: Sie haben im Fußball bis hin zu Meistertiteln und Triumphen in der Champions League mit dem BVB und dem FC Bayern München schon alles erlebt. Macht die besondere Anspannung in der Relegation mit Ihnen dennoch etwas?

Henke: Auf jeden Fall. Klar, solche Situationen sind für mich nicht neu. Von daher kann ich damit umgehen. Wenn deshalb aber vor so wichtigen Spielen die Anspannung und das Kribbeln nicht mehr spüren würde, dann wäre ich fehl am Platz.

DFB.de: Gefühlt waren Sie seit 2013 in Ingolstadt schon in fast allen möglichen Funktionen tätig, unter anderem als Co-Trainer, Interimstrainer und jetzt als Sportdirektor. Wie sehr ist Ihnen der Klub in dieser Zeit ans Herz gewachsen?

Henke: Ich bin damals eher zufällig nach Ingolstadt gekommen, habe seitdem den Verein, die Region und vor allem die Menschen im Klub und im Umfeld schätzen gelernt. Da ist definitiv eine besondere Verbindung entstanden. Momente wie beispielsweise der Aufstieg in die Bundesliga, bei dem schon viele Menschen dabei waren, die auch jetzt noch im Verein tätig sind, werden unvergessen bleiben. Von daher steckt für mich noch mehr Herzblut drin.

DFB.de: Vor einem Jahr gewann der FCI als damaliger Zweitligist in der Relegation das Hinspiel beim SV Wehen Wiesbaden 2:1, stieg aber nach einer 2:3-Heimniederlage noch ab. Helfen Ihnen diese Erfahrungen?

Henke: Es ist durchaus eine vergleichbare Situation. Wir hatten damals im Hinspiel ebenfalls einen höheren Sieg verpasst, waren dennoch in einer sehr komfortablen Ausgangslage. Da hat man dann fast automatisch die Sorge, zum Deppen der Nation zu werden, wenn man diese große Chance noch aus der Hand gibt. Diese Gedanken werden sich vor dem Rückspiel wohl auch die Nürnberger machen.

DFB.de: Wegen der Europapokalarithmetik müsste der FC Ingolstadt 04 schon bei einem Gegentor im Rückspiel mindestens vier Treffer erzielten, um noch die Wende zu schaffen. Wie wird vor diesem Hintergrund die Ausrichtung aussehen?

Henke: In den letzten acht Saisonspielen der 3. Liga haben wir siebenmal zu Null gespielt. Dabei hat die Mannschaft keineswegs Beton angerührt, sondern vielmehr eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive gefunden. Das muss auch diesmal das Rezept sein. Ich bin sicher, dass auf unsere Abwehr Verlass sein wird.

DFB.de: Was würde die Rückkehr in die 2. Bundesliga für den Verein bedeuten?

Henke: Von seinen Voraussetzungen, seinen Möglichkeiten und seiner Infrastruktur ist der FC Ingolstadt 04 ganz klar ein Zweitligaverein. Der Klub wird da auch wieder hinkommen. Davon bin ich überzeugt. Wenn nicht sofort, dann in den nächsten Jahren.

DFB.de: Sie müssen schon seit einiger Zeit zweigleisig planen. Liegen für beide Fälle die fertigen Konzepte in der Schublade?

Henke: Unsere Konzepte für die 2. Bundesliga und die 3. Liga werden sich diesmal gar nicht so großartig unterscheiden. Schließlich hatten wir bereits vor einem Jahr nach dem Abstieg einen großen Umbruch im Kader vorgenommen und uns auf die Fahnen geschrieben, noch stärker auf junge Spieler zu setzen. Diesen Weg werden wir so oder so weitergehen. Auch das Trainerteam um Tomas Oral wird uns unabhängig vom Ausgang des Rückspiels erhalten bleiben. Vor einem Jahr hatten wir uns zum Ziel gesetzt, innerhalb von zwei Jahren in Sachen Zweitligarückkehr angreifen zu können. Dass wir jetzt schon die Chance auf den Aufstieg haben, ist nicht selbstverständlich und spricht für das Team. Sollten wir auch in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen, wird das alles andere als ein Selbstläufer, aber wir werden einen weiteren Anlauf auf den Aufstieg unternehmen.

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